1. OG Treffen beim IFN in Schönow

Von Schafwolle zu Gemüse: Auftakt für das EIP-Verbundprojekt „Gewolltes Gemüse“

Wie kann bislang ungenutzte Rohschafwolle aus regionaler Schafhaltung sinnvoll verwertet und als nachhaltiger Dünger im ökologischen Gemüsebau eingesetzt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das neue EIP-Verbundprojekt „Gewolltes Gemüse“.

Zum Auftakt des Projekts kamen beim IFN e.V. in Schönow bei Bernau Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Verbänden, Schäfereien und Gartenbaubetrieben zusammen. Gemeinsam wurde der Startschuss für ein Vorhaben gegeben, das eine ressourceneffiziente Wertschöpfungskette für regionale Schafwolle entwickeln möchte – von der Rohstoffgewinnung über die Aufbereitung bis zur Anwendung im Gemüsebau.

Schafwolle als regionale Nährstoffquelle

Rohschafwolle fällt in vielen Schäfereien als Nebenprodukt an und wird bislang nur teilweise genutzt. Gleichzeitig besteht im ökologischen Gemüsebau ein Bedarf an regional verfügbaren und nachhaltigen Düngealternativen. Hier setzt das Projekt an: Die Wolle soll zu einem praxistauglichen, wirksamen und umweltverträglichen organischen Dünger weiterentwickelt werden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der gezielten Steuerung der Nährstofffreisetzung. Dafür wird ein Aufbereitungsverfahren entwickelt, das unter anderem die mechanische Zerkleinerung und hygienische Behandlung der Wolle sowie eine mikrobielle Funktionalisierung umfasst. Durch den Einsatz keratinabbauender Mikroorganismen soll erreicht werden, dass die in der Wolle gebundenen Nährstoffe kontrolliert und möglichst bedarfsgerecht für die Pflanzen verfügbar werden.

Von der Forschung in die Praxis

Der entwickelte Schafwolldünger soll sowohl in wissenschaftlich begleiteten Versuchsreihen als auch direkt auf Praxisbetrieben erprobt werden. Untersucht werden unter anderem die Nährstofffreisetzung, die Wirkung auf Pflanzen und Böden, die Umweltverträglichkeit sowie die praktische Anwendbarkeit.

Neben den fachlichen und pflanzenbaulichen Fragestellungen spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine wichtige Rolle. Ziel ist es, eine skalierbare Wertschöpfungskette aufzubauen und damit neue Einkommensperspektiven für Schäfereien in Brandenburg zu schaffen. Gleichzeitig soll eine regionale Düngealternative entstehen, die zur Stärkung von Stoffkreisläufen und zur Verringerung der Abhängigkeit von konventionellen Rohstoffquellen beiträgt.

Vier zentrale Ziele

Im Projekt stehen vier miteinander verbundene Schwerpunkte im Mittelpunkt:

  1. Entwicklung eines innovativen Schafwolldüngers
    Entwicklung eines funktionalisierten und kontrollierbaren organischen Düngers für den Einsatz im ökologischen Gemüsebau.
  2. Aufbereitung und Funktionalisierung der Wolle
    Entwicklung geeigneter Verfahren zur Zerkleinerung und hygienischen Behandlung sowie zur mikrobiellen Funktionalisierung für eine gezielte Nährstofffreisetzung.
  3. Erprobung unter Praxis- und Versuchsbedingungen
    Untersuchung von Wirksamkeit, Nährstofffreisetzung, Umweltverträglichkeit und Praxistauglichkeit in wissenschaftlich begleiteten Versuchen und auf landwirtschaftlichen Betrieben.
  4. Wirtschaftlichkeit, Marktfähigkeit und Wissenstransfer
    Analyse der wirtschaftlichen Perspektiven, Vorbereitung einer skalierbaren Markteinführung und Vernetzung der beteiligten Akteure entlang der regionalen Wertschöpfungskette.

Gemeinsam für regionale Stoffkreisläufe

An dem Projekt sind verschiedene Akteure aus Forschung, Beratung, Landwirtschaft und Praxis beteiligt. Projektpartner sind das Institut für nachhaltige Agrarforschung, das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte sowie der Bioland Landesverband Ost e.V.

Als Praxispartner sind die Bio-Gärtnerei Watzkendorf, GoodFoodSyndicate, Bio-Alpakaland, die Fläming Schäferei Körner, die Kleine Schäferei Biesenbrow und die Schäferei Jonas Scholz beteiligt. Unterstützt wird das Vorhaben durch die assoziierten Partner Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg e.V. und floraPell GmbH.

Die enge Einbindung der Praxis ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. So soll sichergestellt werden, dass der Schafwolldünger nicht nur unter wissenschaftlichen Bedingungen untersucht, sondern von Beginn an an den Anforderungen der Schäfereien und des regionalen Gemüsebaus ausgerichtet wird.

Mit dem Auftakttreffen in Schönow ist die gemeinsame Projektarbeit gestartet. In den kommenden Projektjahren soll Schritt für Schritt eine regionale Wertschöpfungskette von der Schafwolle bis zum Gemüse entstehen – und damit ein weiterer Baustein für nachhaltige Nährstoffkreisläufe und die Zukunft der Schafhaltung in Brandenburg.